Seestücke

Am Anfang war das Meer, auch auf unserer kleinen Kofferbühne: Robinson Crusoe mit einer Untertasse als Insel, einer Tasse als Schiff, und der Fischer und der Dämon, ein Märchen aus 1001 Nacht – das waren vor 35 Jahren unsere ersten beiden Stücke. Dann kam gleich der Rote Freibeuter mit einem Papierschiffchen, später der Fliegende Holländer im gleichen Bühnenbild. Das kleine Schiff hat uns dann durch viele Produktionen begleitet, manchmal auch ganz versteckt, fast wie ein Glücksbringer.

Das Meer aber blieb unerschöpflich: Alles verloren – nach Imre Kertesz, und Cola Fisch, ein Märchen aus Sizilien – siehe unser ALBUM. Die Meererin – eine Ballade aus der Gottschee – steht in unserem Buch. Die Mühle am Meeresgrund, die bis auf den heutigen Tag irgendwo in der Tiefe der See  Salz mahlt. Die 4 Entdeckungsreisen, von denen wir in KOLUMBUS NACHFAHREN erzählt haben – darüber demnächst mehr im Archiv. Und natürlich: das Urmeer so vieler Schöpfungsgeschichten. Dann der junge Mann, der Magie lernen will, in einen Suppenkessel stürzt und sich plötzlich auf hoher See wiederfindet. Die strenge Kapitänin Holmberg, die verfügt hat, an Land begraben zu werden – und deren Leichnam nun im Schnapsfass bis zum Heimathafen transportiert werden muss. Eine Geschichte  aus dem 2.Weltkrieg, von Wasserbomben im Eismeer und gefrorenen Fischen, erzählt in Papier.Krieg. Nicht zu vergessen Deukalion und Pyrrha – nach Ovid: Die ganze Erde versinkt in einer Sintflut, und nur zwei Menschen überleben.

So kam das Meer immer wieder auf unsere Bühne; im Rückblick erscheint das fast wie ein roter Faden – oder eher wie ein blaues Band. Und in der Vorausschau? Wir haben noch einiges vor mit unserem Theater, aber eine Idee aus unseren Anfängen beginnt langsam Gestalt anzunehmen: Shakespeares Sturm, sozusagen als Alterswerk. Als Spiel mit der Einbildungskraft. Mit dem Stoff, aus dem die Träume sind. Und vielleicht noch einmal mit einem Papierschiffchen? Wer weiß.

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