40 aus 120

Gut 120 kleine Inszenierungen  umfasst unser Repertoire: pointierte Klassiker, Sagen, Märchen, Balladen, Weltgeschichten – sinnige Erzählstoffe für Erwachsene, für Kinder, für alle. Jedes Stück wird auf eigene Weise veranschaulicht, erzählt und gespielt: mit Formen und Figuren aus Papier, Bilderfolgen, Bühnen-Büchern, Händen und Fingern, Geige und Bogen oder mit animierten Alltagsgegenständen.

Zwischen 2 und 20 Minuten kurz  sind die einzelnen Stücke. Wie bei einem Baukasten oder einem Konzert lassen sich daraus Programme zusammenstellen, passend zu einem Thema, zu einem Anlass oder einem Raum. Oft können wir dabei auch Wünsche unserer Gastgeber berücksichtigen.

40 von 120 Bühnen-Geschichten  werden hier präsentiert – kurz und in bunt gemischter Reihenfolge. Die Inhaltsangaben und Erläuterungen verdeutlichen etwas von unserer Umsetzung  und machen hoffentlich beim Lesen Lust, die kleinen Stücke auch wirklich einmal selbst zu erleben.

Unter Aktuelles  werden laufend neu entstandene Stücke vorgestellt.

Fotos ©: Christian Altorfer, Ole Cordsen, Amanda Crowther, Wilm Froese(2), Silke Goes, James Mendelssohn(3), George Podt, Berthold Schweiz, Claus Schunk, Friedemann Simon(2), Robert Thiele(6); privat.

Diese Übersicht mit Kurzbeschreibungen von 40 Stücken kann auch hier heruntergeladen werden: Album ’40 aus 120′.

QU BesenDer Kranich und die Reiherin – Märchen aus Russland

So sahen unsere Anfänge aus: Auftritte mit Geige und Kofferbühne, inszeniert mit Alltags-Gegenständen (hier mit Besen und Bürsten), häufig im Freien und oft nur minutenlang:

„Nein, nein, nein!“ – Zwei Vögel freien umeinander und kommen doch nie zum Heiraten, weil immer einer gerade nicht will. Die Botschaft des Märchens braucht dann manchmal etwas mehr Zeit zur Entfaltung: Das ‚Nein’ mag ja mitunter wichtig sein – ohne das ‚Ja’ geht aber oft nichts weiter, kommt man einfach nicht aus dem Sumpf heraus.

 

Q WWManchmal schlagen auch Worte Wurzeln – Nach einem griechischen Volksmärchen

Dem mächtigen und gefürchteten König wächst ein Horn auf dem Kopf. Einzig sein Haarschneider kennt das Geheimnis, doch dem ist es bei Todesstrafe verboten, anderen davon zu erzählen. Eines Tages hält der Haarschneider das nicht mehr aus und ruft es in einen tiefen Brunnen.

Wir machen aus dieser Ausformung der Midas-Sage buchstäblich eine Hand-Werk-Geschichte: Wir erzählen sie gemeinsam und schaffen dazu Bilder – mit Haut und Haaren, Armen, Händen und Fingern.

 

Ribbeck Igel (2)

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland – Theodor Fontane

Sicher eine der bekanntesten deutschen Balladen: Fontane erzählt vom freundlichen Gutsherrn, der den Kindern im Herbst immer von seinen Birnen schenkt, sich selbst eine Birne ins Grab wünscht – und aus dessen Grab dann wieder ein Birnbaum wächst.

Manche Frage stellt sich erst beim genaueren Hinschauen: Was bleibt vom Menschen nach seinem Tod? Welcher Segen liegt im Verzicht auf Profit, im Schenken? Wie ernähren und stärken wir die kommende Generation?  Kinderbilder dienten als Vorlage für die Figuren des Bühnen–Bilder–Buchs; der Zuschauer wird in die Kinderperspektive entführt und erlebt so, wie der Segen des Herrn von Ribbeck immer noch weiterwirkt.

GeigeDer Schneider in der Wolfsgrube – Nach einem Bayrischen Volksmärchen

Wer sich angetrunken auf den nächtlichen Heimweg durch den Wald begibt, darf sich auf einiges gefasst machen. Auf einen Sturz in die Wolfsgrube, auf ein hungriges und zähnefletschendes Untier, auf sein letztes Stündlein. Glücklich der Schneider, der da eine Geige bei sich hat und dem Wolf aufspielen kann. Aber halten die Saiten die ganze Nacht?  Hedwig Rost erzählt die dramatische Geschichte vom Schneider, der nachts in eine missliche Lage gerät und dem nur noch sein Instrument  helfen kann, natürlich mit Hilfe ihrer Geige. Ihre Anteilnahme am Schicksal des Kollegen überträgt sich dabei sofort auf die Zuhörer.

 

Q OrpheusOrpheus in der Unterwelt – Griechische Sage

Orpheus, dem großen Sänger der griechischen Mythologie, ist es dank seiner Kunst vergönnt, die Unwiderruflichkeit des Todes außer Kraft zu setzen. Er darf seine geliebte Eurydike aus der Unterwelt zurückholen. Doch was dem Künstler gelingt, das bleibt dem Menschen versagt: Aus Sehnsucht verstößt er gegen das Verbot des Hades und verliert Eurydike wieder – für immer.

Zu allen Zeiten hat der Orpheus-Stoff Künstler gereizt, ging es darin doch nicht zuletzt um die Frage, was Kunst, was Musik zu bewirken vermag. Für uns lag die besondere Herausforderung darin, auf der kleinen Kofferbühne die Balance zu halten zwischen der Banalität der Mittel (etwa einem Eierschneider als Harfe) und der Ernsthaftigkeit des Stoffes, unterstrichen durch die Rolle, die die Geige einnimmt, wenn sie Themen von Gluck und aus Monteverdis ‚Orfeo’ spielt. – „Jetzt habe ich das Stück endlich verstanden. … Kleinste Bühne der Welt. Merken. Hervorragend.“  So der Kritiker der TAZ.

Feu Pullach: Jörg Baesecke Foto: schunkDer dankbare Tote – Friesisches Märchen

Nach einem langen, harten Winter warten die Schiffer auf den ersten Frachtauftrag. Als schließlich eine Torfladung transportiert werden muss, entbrennt ein erbitterter Wettlauf um die erste Verdienstmöglichkeit nach vielen Monaten. Eine Leiche treibt im Wasser, doch alle lassen sie links liegen – bis auf einen Schiffer, der den Toten beerdigt und nun den Wettlauf verloren glaubt.

Hoher Himmel, flaches Land, weite Horizonte – Grautöne beherrschen die Bilder zu dieser  spannenden Geschichte, die sich aus einem kunstvollen Unikat-Bilderbuch entwickelt und im Blättern zu einem dramatischen Höhepunkt gelangt. Die ethischen Fragen, die darin angesprochen werden, klingen sicher noch eine Zeitlang nach.  Geld oder Leben?

Q EIN HUHN RETTET DIE WELT

Ein Huhn rettet die Welt – Norwegisches Märchen

Ein Huhn träumt eines Nachts, es müsse sich zum norwegischen Dovrefjell begeben, damit die Welt nicht untergeht. Hahn, Ente und Gans schließen sich der Reise an. Aber ob es eine gute Idee war, der Einladung des Fuchses in dessen Bau zu folgen? Jedenfalls ist die Welt plötzlich in größter Gefahr …

Ein weißes Tischtuch wird zum sagenumwobenen Dovrefjell, zum Huhn, zum Hahn, zur Ente zur Gans – und ist plötzlich wieder Tischtuch und Serviette. Die Verwandlungen vollziehen sich vor aller Augen, und so entsteht und vergeht fast aus dem Nichts eine ganze Welt. Ob die reale Welt auch so mutige Retter findet? Das wird anderswo entschieden, leider – oder zum Glück.

 

Q Schäffler 1Die Geschichte von der großen Pest in München – Stadtsage aus dem Jahre 1517

Angst und Aberglauben beherrschen die Stadt. Als die Pest ausbricht, schließen sich alle Bürger in ihren Häusern ein. Nur die Totengräber sind noch auf den Straßen unterwegs. Da wagen es die Schäffler, die Fassmacher Münchens, der gefährlichen Krankheit die Stirn zu bieten.

50 Blätter mit gewischten Tuschezeichnungen und ein detailgenaues Mobile am Schluss lassen die Sage aus dem alten München in einem kleinen Papier-theater (Kamishibai) anschaulich und lebendig werden.

 

Q WMDas Waldmännlein – Märchen aus Ghana

Ein Bauer erwirbt die Fähigkeit, die Sprache der Tiere zu verstehen. Doch das darf er niemanden wissen lassen. Was er dann aber vom Hahn und von den Mäusen erfährt, weckt die Neugierde seiner Frau und seiner ganzen Verwandtschaft. Ob es ihm gelingt, sein Wissen für sich zu behalten?

Nüsse und Nussknacker sind das Spielmaterial für dieses vergnügliche westafrikanische Märchen. Unsere kleine Kofferbühne haben wir gemeinsam auf dem Schoß, und so sind wir beides in stetem Wechsel, das Paar, von dem gerade erzählt wird, und die Erzähler und Spieler.

 

Ufo

Krieg der Sterne – Krawall im All auf 24 x 36 cm!

Der Kampf ferngesteuerter Killersatelliten ruft eine außerirdische Zivilisation auf den Plan, deren Raumschiff alle irdischen Dimensionen sprengt. 4 Minuten dauert das ganze Spektakel, gespielt auf und über unserem Bühnenköfferchen: Raketenabstürze, Laser-Duelle und schließlich ein fulminanter Weltuntergang – der ganze Kosmos auf kleinstem Raum!

Gegenüber derartigen Monumentalthemen entwickelt das Miniatur-Format eine ganz eigene Subversivität, die dazu beitragen kann, hier erstmal einige heiße Luft abzulassen. Was bleibt, ist schlicht Spiel, ebenso schrill wie vergnüglich, mit Fotoapparaten, Küchengeräten und mit Versatzstücken aus dem großen Sci-Fi-Genre.

 

Q STH PKDer Affe auf dem Dach – Münchner Stadtsage

In München kennt jedes Kind die Geschichte – und sei es von einer Aufführung der ‚Kleinsten Bühne der Welt’: Herzog Ludwig der Strenge bekommt von seinem Bruder einen Affen geschenkt. Eines Tages nimmt der Affe den neugeborenen Sohn des Herzogs aus der Wiege und trägt ihn auf dem Dach des Palasts spazieren.

Weit über 1000mal und weit über Bayern hinaus ist diese Münchner Stadtsage schon gespielt worden – zwischen Johannesburg, Harare, Sibiu und Stockholm. Lebendig wird sie in einem zierlichen kleinen Papiertheater, einem Kamishibai – mit z.T. beweglichen Scherenschnitten. Und mobil ist auch das Theater selbst: Oft kommt es bei Aufführungen im Klassenzimmer zum Einsatz, z.B als eine der  StadtTorHeiten.

 

ColaCola Fisch – Nach einem süditalienischen Märchen

Überall in Süditalien und Sizilien erzählt man sich die Geschichte von Nicolo Pesce, genannt Cola Pesce, Cola Fisch: ein Wesen, das im Meer lebt, halb Mensch, halb ein Fisch. Der König von Messina schickt ihn aus, die Tiefe des Meeres zu erkunden, und der Wissensdurst führt schließlich in den Tod.

Schiller hat den Stoff in seiner Ballade vom ‚Taucher’ verarbeitet. Ursprünglich wurde die Geschichte wohl von den Cantastorie, von Geschichtensängern, verbreitet, und daran knüpft Hedwig Rost an. Begleitet von der Geige singt sie vom tragischen Schicksal des jungen Cola, den der Fluch der Mut-ter in ein Fischwesen verwandelt und den dann der Befehl des Königs in die Tiefe schickt. Geige und Bogen schaffen durch die Klänge weite Imaginationsräume – und spielen selbst als Figuren mit. Ein Stück der  HörMale.

 

Q Fiedler

Der bucklige Fiedler – Volkslied/ Johannes Brahms

„Es lebte ein Fiedler zu Frankfurt am Main …“  so beginnt die Geschichte vom buckligen Geiger, der auf dem Heimweg vom Wirtshaus einer Gruppe von Frauen begegnet; sie feiern Walpurgisnacht und bitten ihn, doch für sie zum Tanz aufzuspielen. Hedwig Rost singt das Lied in der Bearbeitung von Johannes Brahms, geigt, erzählt und bringt auch die fröhlichen Frauen in Schwung. Nicht zuletzt sorgt sie auch mit dafür, dass dem armen Fiedler am Ende geholfen ist.

An diesem Stück wird deutlich, was für unser ganzes Programm typisch ist: Unsere kleinen Inszenierungen haben etwas von Liedern, sind kurz, jedes mit einer eigenen Farbe, gut miteinander zu kombinieren, und immer wieder aufs Neue eröffnen sie eine Welt für sich.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERABelsatzar – Ballade von Heinrich Heine

„Die Mitternacht rückt näher schon …“ Wir sitzen mit dem babylonischen König Belsa(t)zar am Tisch und feiern ein ausgelassenes Festmahl. Immer lauter geht es dabei zu. Plötzlich erscheint aus dem Nichts eine Hand und schreibt flammende Schriftzeichen an die Wand des Palasts. Da wird es leichenstill im Saal …

Hedwig Rosts Bearbeitung der Heine-Ballade lässt sich als gestaltete Stille beschreiben. Sie greift den Rhythmus der Dichtung mit Geräuschen auf und treibt so die Handlung vorwärts, mit Klopfen, Klatschen, Stampfen, Händereiben und Fingertippen. Alles ist plötzlich zu hören, der Herzschlag des Königs, das Verstummen der Gäste und das Nahen der Mörder. Fast schon Poetry-Slam, und doch eine so alte Geschichte! > HörMale.

 

Q ReiseDie Reise um die Erde – Ein Märchen der Inuit

Zwei Männer wollen herausfinden, ob die Erde wirklich rund ist. Ihre Reise währt ein ganzes Menschenleben lang, erzählt ist sie in wenigen Minuten – buchstäblich im Handumdrehen, mit Händen, Fingern und einer leuchtend roten Schnur.

Eine ebenso einfache wie tiefe Geschichte, die vom Älterwerden erzählt und von einer lebenslangen Freundschaft. Im Stil des traditionellen, weltweit verbreiteten Fadenspiels entstehen abstrakte Formen, die die Reise um die Erde versinnbildlichen.

 

Q LitauerHöher als der Himmel – Aus der jüdischen Tradition

In dem kleinen Städtchen Nemerow erzählen sich die Menschen Wunderdinge: Ihr Rabbi, so sagen sie, steigt jedes Jahr höchstpersönlich zum Himmel auf, um dort für seine Gemeinde zu bitten. Ein Fremder, der über solche Geschichten lacht und sie nicht glauben will, folgt dem Rabbi heimlich im Morgengrauen – und macht eine überraschende Erfahrung, die sein Leben verändert.

Von Isaac Leib Perez stammt diese anrührende Geschichte; sie steht am Ende unseres Programms ENGEL IN FETZEN. Es geht darin buchstäblich um ein Burn-Out, darum, wie sich die Selbstheilungskräfte eines Menschen beleben lassen, wie man einem anderen hilft, ohne ihn zu erniedrigen. Um Inspiration. – Ein Blatt Papier und ein Stück Zeichenkohle sind die einzigen bildnerischen Mittel. Doch es wird nicht gezeichnet, das Blatt wird zerknüllt und mit der Kohle eingerieben. Plötzlich ist da ein Gesicht zu sehen. Ein Wunder? Ein Zaubertrick? Ein Geheimnis.

 

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Ein Sommernachtstraum – nach W. Shakespeare

Auch mit einer noch so kleinen Bühne kommt man nicht um William Shakespeare herum. Unsere Sommernachts-traum-Kurzfassung konzentriert sich dabei auf die Hand-werkerszene, auf die ‚Tragische Komödie und komische Tragödie von Pyramus und Thisbe’.

Das hochdramatische Schicksal der beiden unglücklichen Liebenden wird bei uns mit zwei Gurkenhälften dargestellt, mit Gurkenschäler, Gurkenhobel und anderen Küchenutensilien. Und wenn am Ende alles in Gurken-salat endet, steht der königlichen Hochzeit (samt Hoch-zeitsmarsch) zwischen Theseus und Hippolyta nichts mehr im Wege. Ein  Klassiker – auch auf unserer kleinen Kofferbühne!

 

300 - HANDSCHUHDer verlorene Handschuh – Ukrainisches Märchen

Großvater hat seinen warmen Fausthandschuh im Schnee verloren. Die Maus und der Frosch suchen dort Schutz vor der Winterkälte. Immer mehr Tiere begehren Zutritt, Hase, Wolf, Wildschwein und Bär – sie finden alle Platz! Und nicht nur das – sie lassen einander ungeschoren! So entsteht mitten im stren-gen ukrainischen Winter fast von allein eine kleine Utopie von Wärme und Geborgenheit.

Ein Umschlag, geformt wie ein Handschuh, nimmt die aus Schwarzpapier gerissenen und geschnittenen Tiere auf. In ihrer einfachen Form korrespondieren sie gut mit dem ebenso schlichten wie anrührenden Märchen, das Kinder ab 4 Jahren ebenso anspricht wie Erwachsene.

 

Q KerteszAlles verloren – Nach einer Erzählung von Imre Kertesz

Ein junger Mann erfüllt sich seinen Kindheitstraum: die Welt umsegeln, allein, mit einem selbstgebauten Schiff. Zunächst geht alles gut, aber dann überstürzen sich die Ereignisse: ein dramatischer Schiffsuntergang, gerade noch dem Tod entronnen, an einer verlassenen Küste angespült. Ein einsames Insel-Leben lässt ihn wieder hoffen, bis ein schweres Unwetter auch diese Hoffnung zunichte macht. Ist nun alles verloren? Nein, die Geschichte weist einen Weg aus größter Not …

Für Jörg Baesecke genügen ein Blatt Papier und eine Schere, um dieses Abenteuer zu versinnbildlichen. Die stolze Hochseeyacht, die einsame Insel mit einer Hütte darauf, Blitz und Brand – alles entsteht aus der Hand und vor aller Augen. Und doch kommt das Ende ganz überraschend.

 

Q MantelAuf dem Mantel über den Fluss – Ostjüdische Geschichte

Neben wem werde ich dereinst im Jenseits sitzen dürfen, in der anderen Welt? Diese Frage spielt in den ostjüdischen Rabbi-Geschichten eine große Rolle – geht es dabei doch immerhin um die Belohnung für gute Werke und ein rechtschaffenes Leben, also um Gerechtigkeit. Nur folgt die himmlische Gerechtigkeit manchmal eigenen Gesetzen. Der fromme und weise Rabbi Rafael erlebt da gleich mehrere Überraschungen…

Ein vielschichtiges Stück aus einer großen Erzähltradition, der Welt der mittel- und ost-europäischen Chassidim, und aus unserem Programm ENGEL IN FETZEN.  Gespielt mit einem Bühnen-Bilder-Buch, in dem die Figuren und Schauplätze aus gerissenen Papierstücken zusammengesetzt sind – aus Fetzen.

HeuschreckDer Heuschreck und die Katze – Griechisches Märchen

Der Heuschreck verbrüht sich an der kochenden Suppe. Die Katze, die Taube, der Baum, der Brunnen, die Tochter und schließlich die Frau des Apothekers sind voller Mitleid, aber bevor es zu einer Empathiekatastrophe kommt, schreitet der Apotheker ein und heilt den Heuschreck

Immer ist ein Augenzwinkern mit im Spiel, wenn hier von Leiden und Mitleid die Rede ist. Länger und länger wird die Kausal- und damit auch die Satzkette, und mit einigem Erstaunen erfährt man, was sich allein mit einem Notenständer alles darstellen lässt. Mitspielen dürfen auch ein Blatt Papier, Geige und Bogen, und am Ende sieht man sogar, wie sich plötzlich die Schlange um Äskulaps Stab windet.

 

KP 2 (2)Der Schatz an der Brücke – Ostjüdische Geschichte

Ein Armer wird durch eine nächtliche Stimme aufgefordert, sich auf den Weg nach Prag zu machen: Dort, bei der Karlsbrücke, könne er einen Schatz finden. In Prag angekommen trifft er auf den Hauptmann der Brückenwache, der ihm von einem seltsamen Traum berichtet …

Die tiefsinnige Geschichte vom gedoppelten Traum existiert in vielen Fassungen. Die jüdische Version bewegt sich zwischen Krakau und Prag und lässt in ihrer Knappheit den eigenen Gedanken und Deutungsversuchen viel Raum. Plötzlich erscheinen Zeichen auf einem Blatt, werden zur Brücke und weisen schließlich den Weg dorthin, wo der Schatz wirklich liegt. – Meist, aber nicht nur im Rahmen des Programms ENGEL IN FETZEN  erzählt und gespielt.

 

Q HellDie Wahrsagerin – Aus England

Adolf Hitler kommt zur Wahrsagerin. „Was für ein Schicksal ist mir vorausbestimmt?“ Die Wahrsagerin nimmt ein Blatt Papier, faltet es, zerschneidet es mit einem langen geraden Schnitt und legt die Schnipsel zu Buchstaben. Hitler erschrickt, als er das Wort liest.

In den 40er und 50er Jahren war das in England ein wohl weit verbreiteter Papier-Erzähl-Trick. Neben den vielen kleinen biographischen Geschichten kommen in Jörg Baeseckes Papier.Krieg  auch ein paar zeitgeschichtliche Erzählstückchen zur Sprache, ein Witz über die holländische Königin Wilhelmina etwa, ein Wortwechsel zwischen Helmut Kohl und Margret Thatcher oder eben die Geschichte von der Wahrsagerin.

Q Frau Trude KerzeFrau Trude – Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm

Ein kleines Mädchen möchte gern das Haus der Frau Trude aufsuchen: Dort sollen so wunderliche und seltsame Dinge zu sehen sein. Die Eltern verbieten es ihr streng, aber sie geht trotzdem zur Frau Trude. Was sie dort sieht, jagt ihr Angst und Schrecken ein. Wäre sie doch nicht gegangen! Aber nun ist es zu spät.

Das wohl grausigste Grimm-Märchen wird von Hedwig Rost als Licht- und Schattenspiel auf die Bühne gebracht. Der Schein einer Kerze zaubert Masken und dämonische Köpfe ins Halbdunkel, und wenn der knappe Text verklungen ist, erwacht man wie aus einem bösen Traum. Für Erwachsene.

 

Q Krampus

Der Bilmesreiter – Bayrische Sage

Vorsicht ist angebracht, wenn dir jemand Reichtum bietet und im Gegenzug deine Seele einhandeln will. Und wenn der Betreffende dann auch noch auf einem Bein hinkt und eine rote Feder auf dem Kopf trägt, kann es eigentlich nur heißen: Finger weg von solchen Verträgen! Allerdings – wie soll man das wissen, wenn man keine Geschichten kennt und nichts weiß von dem, dessen Namen man besser nicht laut ausspricht? – Drei Bögen Papier, schwarz, weiß, rot, und eine Schere liefern die Bilder für diese kräftige bäuerliche Volkssage. Während des Erzäh-lens werden daraus Gesichter geschnitten, Fratzen, Grimassen und Masken. Am Ende kommt sogar noch eine Art Voodoo ins Spiel, und man erfährt mit Staunen, dass einem so etwas nicht nur in der Karibik, sondern manchmal auch vor der eigenen Haustür begegnen kann.

 

Garten

Das Rübenziehen – Russisches Märchen

In Großvaters Garten ist eine riesengroße Rübe gewachsen, so groß, dass er sie allein nicht herausziehen kann. Großmutter, Enkeltochter, Hund und Katze helfen bei der Ernte, doch sie bekommen die Rübe erst aus der Erde, als sich auch die Maus in die Kette einreiht.

Durfte man die Geschichte hier ‚verraten’? Das ‚Rübenziehen’ ist entweder bekannt oder doch im Handlungsablauf so absehbar, dass es eigentlich keine Inhaltsangabe braucht. Aber das ist das Erstaunliche, ja fast das Wunder bei diesem kleinen Märchen: Es fesselt den Hörer trotzdem, ja – er genießt die Absehbarkeit. Gebaut ist das Märchen wie ein Tanz, in den sich jeder gern einreiht. Man freut sich an den Wiederholungen und der wachsenden Kette und zieht im Geiste an der Rübe mit. Ein Leporello aus Kinderbildern greift die Struktur der Geschichte auf und unterstreicht deren Einfachheit und Vollkommenheit.

Q MagieMagie lernen – Aus der jüdischen Tradition

Einem jungen Mann, in allen Wissenschaften bewandert, fehlt nur noch das eine zur vermuteten und ersehnten Vollkommenheit: Er will Magie lernen. Die Suche nach einem Lehrer führt ihn nach Ägypten, und dort, auf der Grenze, lernt er mehr über Magie, als ihm lieb sein kann. Er macht buchstäblich eine Grenzerfahrung, die ihm aber letztlich zu tiefer Weisheit verhilft.

Eine rätselhafte, beunruhigende Geschichte, die am Ende offen bleibt und an viele innere Saiten rührt. Ein Buch mit geschnittenen Bildern begleitet die Reise des jungen Mannes: Es hat fast etwas Magisches, wenn aus den Seiten plötzlich Formen und Gestalten hervortreten und wieder verschwinden. Jedes Blatt birgt neue Überraschungen und lädt zum Spiel mit unserer Wahrnehmung ein.

2 AlteDie beiden Alten – Märchen aus Äthiopien

Eine Hirtin und ein Bauer begegnen einander. Beide sind schon betagt und beide hören auch nicht mehr besonders gut. Aus gegenseitigem Miss-verständnis entsteht ein heftiger Streit, der sie schließlich vor den Richter bringt. Nur ist der Richter auch schon alt, schwerhörig und fast blind. Kein Wunder, dass sein Urteilsspruch völlig neben der Sache liegt. Und doch verhilft er so den beiden Alten zu ihrem Glück …

Ein warmer, menschenfreundlicher Humor durchzieht dieses ostafrikanische Märchen. Im Erzählen bildet Hedwig Rost mit der Geige den Klang der menschlichen Stimme nach und weckt so bei den Zuhörern Mitgefühl für all die vielen Missverständnisse, die den Witz der Geschichte ausmachen.

 

Q RieseDie Riesenhauerei – Friesisches Märchen

Zwei Riesen – von beachtlicher Körpergröße und unüberhörbarem Mundwerk – leben jeder auf seiner Seite eines hohen Berges. Leider ist ihr Verstand nicht ganz so gut entwickelt. Zum Glück sind beide verheiratet und haben Frauen, die mit List zu verhindern wissen, dass sich die Männer ihre – ziemlich hohlen – Schädel einschlagen.

Zwei Hände, ein Blatt Papier und eine kräftige Stimme genügen, um diese ebenso heitere wie derbe Geschichte auf die Bühne zu bringen. Wichtig ist natürlich einmal mehr die Vorstellungskraft des Publikums, doch die ist meist besser entwickelt als bei den beiden Maulhelden des Märchens. So steht dem Genuss dieses energischen Erzählstücks nichts im Wege.

 

Q KameleTrick 17 – Orientalische Geschichte

Wie teilt man 17 Kamele unter drei Brüdern auf?

Ein klassisches Rechenrätsel, dargestellt mit Drucken und Stempeln, eine der mathematischen Geschichten aus dem Klassenzimmerrepertoire.

 

Q SchneiderDer Schneider auf Tigerjagd – Aus England

Ein Schneider begibt sich auf Tigerjagd. Hoch zu Elefant dringt er in den Dschungel ein. Plötzlich bricht ein gewaltiger Tiger aus dem Unterholz und brüllt, dass man es in ganz Bengalen hört. Der Elefant erschrickt, bäumt sich auf – und der Schneider stürzt zu Boden. Sofort ist der Tiger über ihm.

Die Silhouette einer Nähmaschine, aus Papier ausgeschnitten, verwandelt sich in einen Elefanten, und im Mund des Erzählers sieht man für einen Moment den Tigerrachen.

Irgendwo zwischen Jägerlatein und Weisheitsgeschichte ist dieses Abenteuer angesiedelt, das zugleich auch zum Spiel mit der erzählerischen Illusion einlädt.

Q RauchDie Geschichte vom Rauch – Aus der jüdischen Tradition

Ein Mann verirrt sich im Wald, gerät in ein Räuberhaus, bekommt ein Gewehr zu fassen, der Räuber tritt drohend auf ihn zu, der Mann legt auf den Räuber an, und er weiß: Er hat nur einen Schuss …

Vordergründig eine Räuberpistole, erzählt mit einer Papierfigur, die sich in ein Haus verwandeln lässt, und einer Tabakspfeife, aus der mit einem Griff ein Gewehr wird. Eingebettet allerdings in eine Rahmenhandlung, die plötzlich ins Geschehen übergreift – und so viel übers Erzählen verrät!

Q MondmädchenVom Sonnengott und den Mondmädchen – Mexikanische Schöpfungsmythe

Seit wann steht der Mond am Himmel? Warum wechselt er ständig seine Gestalt? Ist der Mond überhaupt ein ‚Er’ – oder nicht viel mehr eine ‚Sie’? Eine – oder mehrere? Und woher kommen Gold und Silber?

Nun, angefangen hat alles im Bett des Sonnengottes. 12 Frauen streiten sich dort um dessen Gunst. Hedwig Rost erzählt die erotisch-kosmische Bettgeschichte mit einem weißen Laken, einer Laterne und mit Fingern und Händen.

 

Q MMond

Das Mädchen und der Mond                                                    Ein Märchen der Tschuktschen

Drohend steigt der Mond vom Himmel. Er will sich ein Mädchen rauben. Einzig das kluge Rentier steht dem Kind zur Seite …

Vom Ende der Welt und vom Anfang der Zeit kommt diese Geschichte, die Hedwig Rost mit einer Laterne und vielen stimmungsvollen Transparentbildern erzählt.

 

 

Q Es funkt Ausschnitt SVDer Junge, der sich beim Tod Brot lieh – Schwedisches Zigeunermärchen

Es ist Winter. Der Vater liegt im Sterben. Sein kleiner Sohn sucht Hilfe und stößt auf einen Mann, der gerade seine Sense schärft. „Wir haben denselben Weg!“ Arglos lädt der Kleine den Tod ans Sterbe-bett seines Vaters, doch ohne es zu wissen rettet er dem Vater in seiner Naivität das Leben.

Ein anrührendes Märchen, zu zweit gespielt und erzählt, auf unserer kleinen Kofferbühne, mit einem Lebens-Faden, einer drohenden Schere, einem Stück Brot und dem Lied der Geige.

Eines unserer ersten und immer noch liebsten Stücke.

Q SchluchtwegDas kluge Mädchen – Aus Turkmenistan

Ein junger Mann und ein schönes Mädchen sind zusammen unterwegs, sie wandern durch die Weiten der Steppe – vielleicht zum Markt. Der Mann führt am Strick eine Ziege, trägt einen großen Kessel, einen langen Stab und unterm Arm auch noch ein Huhn. Das Mädchen hat ein Auge auf ihn geworfen, aber wie soll sie ihm das bloß deutlich machen? Da kommen die beiden zum Eingang einer engen Schlucht. Und jetzt?

Ein weiteres Laternentheater-Stück: Auch im Halbdunkel des warmen Kerzenlichts ist das Augenzwinkern dieser Geschichte nicht zu übersehen, einer Geschichte, die im Übrigen auch dazu geeignet ist, unser Bild von Frauen in der orientalischen Welt etwas zu hinterfragen.

Q MopsEine endlose Geschichte – Volksmund

Ein Mops kam in die Küche…

Die tragische Geschichte vom bestraften Eier-Diebstahl wird in einer ausgeklügelten Endlosfaltung werkgetreu in Szene gesetzt. Beliebt als Zugabe.

 

 

 

 

HähnchenEin Baum wächst in den Himmel – Russisches Märchen

Eine Eichel ist zwischen die Dielenbretter der ärmlichen Hütte gefallen. Daraus erwächst ein himmelhoher Eichbaum – bis hinauf in eine andere Welt! Zwei arme Alte werden belohnt, der böse Nachbar bestraft, alles geht am Ende gut aus, und wir dürfen erfahren, was die Welt noch so alles in sich birgt, und einen Blick über ihre Grenzen werfen.

Meterstäbe und Maßbänder liefern die Bilder für dieses heitere Märchen. Im Erzählen werden sie zu Tieren geformt, zu Häusern, Flüssen und zu einer wunderbaren Handmühle, die Krapfen und Pasteten spendet und auch die Phantasie der Zuschauer zu nähren vermag.

SterntalerSterntaler – Ein Märchen der Brüder Grimm

Wahrscheinlich kennt jeder die Geschichte vom Waisenkind, das alles wegschenkt, was es hat. Zum Lohn fallen ihm die Sterne vom Himmel herab, in lauter harte, blanke Taler verwandelt, und es ist reich für sein Lebtag.

Eine so einfache Geschichte ist oft besonders schwer darzustellen. Ihre Bekanntheit oder doch die Absehbarkeit der Handlung bedeuten eine Herausforderung ganz eigener Art, wenn man den Anspruch hat, das Märchen in neuem Licht erscheinen zu lassen ohne es zu parodieren. Eine Anzieh- (bzw. Auszieh-) Puppe aus Papier bot eine – vielleicht naheliegende – Lösung. Für die Figur wie auch für die Kleider dienten Kinderzeichnungen als Vorbild, und ein Teil der Handlung wird fast stumm gespielt. Wirklich gespielt – und vielleicht weckt genau das bei vielen Rührung und Erleichterung, wenn am Ende die Sterne als Taler vom Nachthimmel fallen.

Q Zeit

Die Zeit steht still – Aus Weißrussland

Joseph und Maria sind auf dem Weg nach Bethlehem. Maria ist am Ende ihrer Kräfte, sie spürt, dass die Geburt ihres ersten Kindes kurz bevorsteht. Das Paar legt eine Rast ein – und dann geschehen plötzlich Zeichen und Wunder.

Eine sehr besondere Weihnachtsgeschichte, mündlich überliefert aus Weißrussland, die nichts Geringeres als die Zeitenwende zum Gegenstand hat. Es passiert wenig darin, und doch zugleich unendlich viel. Hedwig Rost erzählt alles mit zwei langen Leporellos aus farbigen Transparentbildern, hinter denen sie ihre magische Laterne langsam entlangwandern lässt. – Und der Himmel leuchtete auf ihrem Weg.