Auf dem Bahnsteig lag ein weggeworfener Kassenzettel, zerknüllt und flachgetreten. Ein Kopf? Wir hätten ihn sicher übersehen, wenn wir nicht gerade Ausschau gehalten hätten nach Gesichtern: Wie lässt sich ein menschliches Profil aus Papier falten, möglichst im Handumdrehen?
Nun ist es ja so: Faltanleitungen operieren oft mit rechten Winkeln oder Winkelbrüchen, mit Symmetrien und Gradlinigkeit – was am Ende oft auch die Schönheit gefalteter Objekte ausmacht. Der platte Zettel vor uns aber war krumm und schief – doch dabei schlicht und deutlich in seiner Form. Wir sahen: Es geht auch asymmetrisch, mit abgebrochenen Falten und willkürlichen Winkeln.
So begannen wir zu experimentieren, und daraus wurde dann z.B. das vom Vater verstoßene Mädchen (aus unserer Produktion ‚SALZ‘) oder der König mit den 3 seltsamen Träumen (aus dem georgischen Märchen von der Weisen Schlange).
Häufig werden wir gefragt, wie ‚man auf solche Ideen kommt‘. Nun, manchmal kommen sie tatsächlich zu uns, zum Glück, sie liegen uns bisweilen sogar zu Füßen. Allerdings haben wir den zusammengetreten Zettel wohl nur wahrgenommen, weil wir uns vorher die Frage nach einem Faltprofil gestellt hatten und nun in dieser Frage lebten.
Was lässt sich daraus ableiten? Keine goldene Regeln für Kreativität jedenfalls, wie sie im Netz so gern flachgetreten werden. Aber Fragen sind selten verkehrt, je präziser desto besser. Und dann findet sich manchmal unverhofft eine Antwort, und sei es auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof. (02/2025)
Die Texte mündlicher Tradition gehören im Grunde gehört, nicht lediglich stumm gelesen. Nur so lässt sich ihr sprachmusikalischer Anteil erfahren – sie sind mehr als nur Informationsweitergabe; Epen, Balladen und auch Märchen sind nicht zuletzt auch ‚akustische Phänomene‘ (Max Lüthi). Diesem Gedanken folgend haben wir seit Neuestem eine Geschichte aus den Ovid-Metamorphosen im Repertoire. Gesprochen wird sie zum Teil in einer eigenen Hexameter-Nachdichtung, zum Teil in endgereimten, slam-artigen Versen. Ein ziemlich krasser Stoff, soviel sei hier verraten, deutbar auch als politische und ökologische Parabel, mit Splatter-Elementen, uralt und dabei eindeutig heutig! Was wohl daraus wird? Wir sind gespannt. (01/2025)
Hier sehen wir die Figuren hinter der Bühne versammelt; gleich öffnet sich der Vorhang für IDOMENEO – Rè di Creta, die große (und kaum bekannte) Mozart-Oper, die einzige, die er in München komponiert hat. Von links nach rechts: Idomeneo, König von Kreta, Idamante, sein Sohn, Ilia, Prinzessin von Troja. – Nicht im Bild: Elektra, Prinzessin von Argos, gefangene Trojaner, Bürger von Kreta, Neptun, der Meeresgott, See-Ungeheuer.

Da kommt was: Ein neues kleines Stück, ca. 15 Minuten lang und im Duo gespielt:
Erinnert sich noch wer an den Sommer 1984? In Norddeutschland war er ziemlich verregnet, und ausgerechnet da spielten wir bei einer großen Straßentheaterproduktion mit, einer Bearbeitung von Skakespeares ‚Sommernachtstraum‘ – mit immerhin 18 Beteiligten, umfangreichem Auf- und Abbau und vielen sorgenvollen Blicken zum Himmel. Alle (Hamburger) Aufführungen gingen trocken über die Bühne – und dann gab es noch eine Einladung nach Berlin. Dafür hatten wir beide eine Art Trailer entwickelt, für unsere damals noch ganz neue kleine Kofferbühne: unseren
‚So habe ich einmal ausgesehen?‘ oder: „Bist das wirklich Du?“ – Jeder kennt wohl den Anflug von Rührung beim Anblick eines Kinderfotos, eines eigenen oder dem eines anderen. Ist es die sprichwörtliche ‚kindliche Unschuld‘, die einem da im Bild gegenübertritt, der Ausdruck von Hoffnung und Erwartung? Ganz unwillkürlich vergleicht der Betrachter Vergangenheit und Gegenwart: ‚Was von Dir war damals schon sichtbar? Und wer bist Du heute?‘ Sehr unterschiedliche Gefühle werden da geweckt, zumal an einem ‚runden‘ Geburtstag, wie ich ihn gerade erleben durfte.
as Neue Jahr 2024 beginnt -auch für uns selbst unerwartet- mit dem Rückgriff auf einen alten Stoff:
Auch wenn der Anlass für die Wiederaufnahme abermals ein Abschied ist: Das Münchner Stadtmuseum,
Damit ist die Reihe unserer monatlichen Filme nach drei Jahren abgeschlossen. 50 kleine Stücke aus unserem Repertoire haben wir in dieser Zeit aufgezeichnet und