In Kürze hat unsere neue Produktion mit Schöpfungsgeschichten Premiere – WIE DIE WELT AUF DIE WELT KAMDann liegt eine lange Reise hinter uns – kein anderes unserer Programme hatte einen längeren Vorlauf.  Die Idee dazu tragen wir schon lange mit uns herum; bereits 2008 entstand eine Bearbeitung der biblischen Schöpfungsgeschichte, die auch einmal (und nicht ohne Erfolg) aufgeführt wurde, aber dann doch Fragment blieb. Vielleicht war die Zeit einfach noch nicht reif? Und was sind die paar Jahre angesichts der unvorstellbaren Zeiträume, von denen da erzählt wird?

Viele Fragen begleiteten unseren Weg: Welchen Wortlaut wählen wir für die biblische Schöpfungsgeschichte? Wie lässt sich die gleiche Geschichte mehrmals hintereinander erzählen? Denn immer beginnt es mit einem Nichts – und endet mit der Welt, in der wir leben. Und das zwanzigmal? Wie gehen wir mit dem Fremden um, das uns in vielen Geschichten begegnet? Nicht nur die einzelnen Elemente, auch die Erzählstruktur ist ja oft völlig anders als wir es gewohnt sind. Und muss nicht jedes darstellerische Material angesichts des gewaltigen Themas als unzureichend erscheinen? Ist es nicht auch anmaßend, die eigene schöpferische Tätigkeit in Relation zur Weltschöpfung zu bringen? Und und und …

Es ist die Erste Geschichte, für die ganze Menschheit; immer und überall ist versucht worden, sie in Worte zu fassen, und wahrscheinlich waren diese Versuche immer und überall auch von solchen Zweifeln begleitet. Da reihen wir uns jetzt ein, mit einer kleinen Verneigung vor allen, die sich vor uns dieser großen Aufgabe gestellt haben, und in der Hoffnung, diesen Vor-Bildern mit unseren Mitteln und in unserer Sprache gerecht zu werden.

Ausruhen, wie im vorigen Beitrag angekündigt, geht eigentlich anders. Ganz unversehens ist zwei Wochen nach der HeimSpiel- Premiere noch ein neues kleines Stück entstanden. Entstanden? Es war Einiges zu tun, bis alles fertiggezeichnet, getextet und gebaut war: zum ersten Mal seit fast 20 Jahren wieder eine Geschichte für’s Kamishibai, das japanische Papiertheater.

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Aber wann, wenn nicht jetzt? Tiefer Winter. Gott und Petrus sind auf der Erde unterwegs. Sie müssen einer Frau bei der Geburt ihres Kindes beistehen, was nicht ganz einfach ist. Sie hören aus dem Mund der Schicksalsfrauen,  was dem Neugeborenen dereinst bevorsteht – und nun geht es unter anderem darum, wer mehr Macht hat, Gott oder diese drei archaischen Gestalten. Ein sehr ungewöhnliches Märchen, halb eine Legende – aus der ‚Taikon-Sammlung‘: Johan Dimitri-Taikon, der Sippenälteste der schwedischen Kölderascha, war ein begnadeter Erzähler; auch Der Junge, der sich beim Tod Brot lieh, was wir zu zweit mit unserer Kleinsten Bühne spielen (siehe Album – Nr. 35), stammt aus dieser Sammlung. Seit mehr als 20 Jahren haben wir diese Geschichte im Blick, nun konnten wir uns damit selbst ein Weihnachtsgeschenk machen.

pk-1Die HeimSpiel-Premiere  liegt hinter uns: Aufatmen, Ausruhen, Aufräumen, nachklingen lassen – und es sind vor allem drei Dinge, deren Nachklang wir immer noch vernehmen:

Zunächst, dass uns seither ständig ’schöne Wörter‘ zufliegen, teils von Premierenbesuchern übermittelt, teils auch im Alltag, wenn das Bewusstsein dafür erst einmal geweckt ist. Uns wurde selbst plötzlich klar, wie viel es im HeimSpiel um Schönheit geht.

Dann, dass so viele mitgesungen haben, immer wieder, gefühlt das halbe Publikum. Unaufgefordert, aber um so begeisterter, wie es uns vorkam. Was für ein Bedürfnis tritt da zutage, welches Potenzial liegt da brach?

Schließlich, dass wir von vielen verschiedenen Seiten gehört haben, das Stück eigne sich auch gut für ältere Menschen. Weil es so viele Resonanzen weckt, Erinnerungen wachruft an eigene Kindertage. ‚Ein Jungbrunnen!‘ – versicherte uns ein 89jähriger Zuschauer. Und es stimmt ja, die Selbstverständlichkeit, mit der wir von ’nach draußen gehen und spielen‘ sprechen, besteht eigentlich gar nicht mehr, ist vielmehr ein Echo vergangener Zeit, genau wie manche der Spiele und Lieder, die da auf die Bühne kommen. Schade eigentlich – aber auch schön, dass es dann wieder so viel Leben weckt.

cl-vbunt-n-reHeimSpiel  heißt unsere neueste Produktion. Anfangs geht es da um ‚Muttersprache‘ : Wie haben wir als Kinder Deutsch gelernt? Wie sind wir in unser Land, in unsere Kultur und Geschichte hineingewachsen? Lässt sich das heute nutzbar machen, etwa für Sprachunterricht und Integration?

Die erste Aufführung ist nun über die Bühne gegangen, vor sehr gemischtem Publikum. Zwei Ü-Klassen, also Kinder im Grundschulalter mit fremdsprachlichem Hintergrund. Und mehrere Sprachkurse mit Flüchtlingen, teils Anfänger, teils schon Fortgeschrittene, auf jeden Fall Jugendliche und (mehrheitlich) Erwachsene.

Ja, es hat gut funktioniert, aber die beherrschende Frage war natürlich: Was haben die Zuschauer verstanden? „Erste Schritte“ weiterlesen

p1100057aIn Kürze:

Premiere Ende November – am 1.Advent. Demnächst gibt es hier mehr dazu zu lesen! Einstweilen verweisen wir nur nach unten >> ‚Hinterm Mond‘

Bis bald!

Kaiser Ludwig

In schöner Regelmäßigkeit werden wir gefragt, ob es im Netz nicht irgendwo auch ein Video von uns gibt. Nein, das haben wir immer noch nicht geschafft. Auch, weil dafür wohl ein ziemlicher Aufwand nötig wäre. Es gibt nämlich zwei Dinge, die filmisch schwer darzustellen sind: Beiläufigeit und Gleichzeitigkeit. Eine objektive Kamera nimmt dem Zuschauer – so fürchten wir – die eigene Suchbewegung und damit die Entdeckungsfreude ab, und wo Dinge auf der Bühne gleichzeitig geschehen, kann sie jeder bei einer Aufführung für sich selbst in Beziehung setzen, sozusagen sein eigenes Stück schreiben.  Ein Film dagegen neigt dazu, eindeutig zu sein, also auf etwas zu deuten – und damit zwischen Bild und Text einen unverrückbar ‚richtigen‘ Bezug herzustellen.

Aber im nächsten Jahr wollen wir einen neuen Versuch mit einem kurzen Clip starten; einstweilen müssen wir alle Besucher mit einem Minimal-Ausschnitt aus den StadtTorHeiten vertrösten.

Seit Mitte August 2016  ist unsere neue Homepage im Netz. Und wie bei jedem Neubau wird auch hier immer noch ein wenig nachgebessert und korrigiert. Doch wir freuen uns, dass alles nun bezugs- und auch besuchsfertig ist. Herzlich willkommen!

Unser altes Weblog  Theater um 24 x 36cm“  wird noch eine Zeitlang abrufbar bleiben. Einige der dortigen Blogposts werden nach und nach hierher übernommen. Neues findet sich aber ab sofort nur noch hier.

Und da wir momentan an gleich zwei neuen Produktionen arbeiten – s.u. ‚Wie die Welt auf die Welt kam‘ und ‚Hinterm Mond‘ – , wird es mit Sicherheit bald Neues zu vermelden geben.

EröffnungssequenzStadtTorHeiten – die 700.Aufführung!  Wir werden immer wieder gefragt, ob es nicht schwer ist, so viel Text auswendig zu lernen. Natürlich ist es das, aber mindestens ebenso schwierig ist es, mit Wiederholung umzugehen: Wie sorge ich dafür, dass meine Geschichte lebendig bleibt, auch beim x-ten Mal?

Die StadtTorheiten, das kleine Papiertheaterprogramm mit Münchner Stadtsagen, hat kürzlich die 700. Aufführung erlebt. Sehr grob geschätzt dürften etwa 25.000 Schulkinder die Produktion gesehen haben, außerdem ca. 2000 Erwachsene. Gut, das hat sich über 20 Jahre erstreckt, aber wenn eine Produktion über einen so langen Zeitraum ihre Gültigkeit beweist, will das schon etwas heißen.

1996:  Am Anfang  stand der Auftrag, mit der Delegation der Stadt München nach Harare/Zimbawe zu reisen und dort bei den Feierlichkeiten zur Begründung der Städtepartnerschaft einen Beitrag zu leisten. „Siebenhundert“ weiterlesen

Es gibt Zeiten, wo sich das Leben anfühlt wie auf der Rückseite des Mondes: vom Bildschirm verschwunden, im Funkloch, keine Anrufe, keine Anfragen, keine Antworten. Keine Zugriffe auf die Seite. Vergessen von der Welt? Manchmal braucht es da schon viel Vertrauen in die weitere Flugbahn – irgendwann treten wir hoffentlich wieder aus dem Schatten heraus.

Aber was zu anderen Zeiten belastend wäre und schon oft genug belastend war, ist diesmal kein Grund zur Sorge. Wir arbeiten nämlich an etwas Neuem, an einem Programm mit Schöpfungsgeschichten – s. den Blogbeitrag ‚Wie die Welt auf die Welt kam‚. Daher stammt übrigens auch der auf Küchenrolle gedruckte Mond.

Außerdem haben wir für 2016 eine Förderung vom Kulturreferat der Stadt München bekommen – für eine weitere Neuproduktion: HeimSpiel‘ – eine spielerische Sprechstunde, in der es um deutsche Sprache und Kultur gehen soll Sprichwörter, Zungenbrecher, Abzählreime, Gedichte, Rätsel, Lieder, Märchen – wir wollen dieses Feld einfach nicht denen überlassen, die gern deutsche Kultur auf ihre Fahnen schreiben – ohne zu wissen, was das alles ist und sein kann. „Hinterm Mond“ weiterlesen

In unserem Repertoire findet sich ein russisches Märchen – ‚Die Mulde‘: Ein Bauer setzt seinen alten Vater, weil der nicht mehr arbeiten kann und auf Versorgung angewiesen ist, mitten im Winter am Grund einer tiefen Schlucht aus. In der Märchen-Sammlung der Brüder Grimm gibt es eine verwandte Geschichte – ‚Der alte Großvater und sein Enkel‘ (KHM 78). Die russische Fassung ist allerdings sehr viel härter, hier geht es um Leben und Tod. Um Wirtschaftlichkeit als Maßstab für die Existenzberechtigung eines Menschen.

Wahrscheinlich beginnen einen solche Fragen erst mit zunehmendem Alter zu interessieren. Alt hin oder her – für einen kleinen Film auf Youtube (den ersten!) ist es sicher nie zu spät. Abenteuer bei der Steuer  heißt das Werk, angelegt mehr als Spielerei, mit Hausmitteln realisiert, und Achtung: Nicht das Bild liegt auf der Seite, sondern der Sprecher!