Zum Jahreswechsel ist eine neue kleine Geschichte in unser Repertoire gekommen – begleitet von Wünschen und Hoffnungen für die nächste und übernächste Zukunft.
Über Kritzelgeschichten (drawing stories) war hier bereits etwas zu lesen: Geschichten, bei denen das Erzählen zeichnend begleitet wird, meist nur mit einer einfachen Linie – und am Ende ist ein kleines Bild entstanden. Der Reiz dieser Geschichten besteht nicht zuletzt in ihrer Einfachheit, sie laden zum Nach-Machen und Weiter-Tragen ein, sie gehören nicht dem einzelnen Erzähler oder der einzelnen Erzählerin, sie gehören der Welt.
Schlicht sind sie aber oft nur auf den ersten Blick. Manchmal braucht es einen zweiten, um zu tieferen Schichten zu gelangen – damit das Gebilde überhaupt erst ‚Ge-Schichte‘ wird. Die Prinzessin, die im Wald beim Spielen die Zeit vergessen hat und nun vor verschlossenen Toren steht, hat – ohne es zu wissen – den Schlüssel schon in der Hand. Der eigene Lebensweg hat die Ressource gebildet, mit der sich die Aufgabe lösen lässt. Genau darin liegt oft das Wohltuende und Tröstliche der Märchen: dass Heldin oder Held vor genau die Aufgaben gestellt werden, für die sie zuvor Helfer oder Hilfsmittel gewonnen haben. Diese Erfahrung wünschen wir Ihnen, euch und uns für’s Neue Jahr – auch im wirklichen Leben!
Im Theater fragen uns Kinder oft: „Wie lange habt ihr dafür gebraucht?“ Selten bietet sich eine griffige Antwort: Manchmal gelingt ein Stück fast im Handumdrehen, manchmal dauert es Jahre, bis eine Geschichte auf die Bühne kommt, einiges schafft es auch nicht über den Entwurf hinaus. Die Geschichte vom ‚Affen auf dem Dach‘ war nach einem Vierteljahr fertig, die ‚Reise um die Erde‘ fand nach zwei, drei Tagen ins Ziel, an ‚Salz‘ haben wir ein ganzes Jahr gearbeitet. Aber was ist damit gesagt?




‚Das einfachste Pop-Up der Welt‘, Heften ohne Heftklammer, ein selbstverschließender Briefumschlag, das 2-Wochen-Notizbuch, ein leicht zu bauendes Papiertheater, der Knallteufel, eine Geheimtinte aus dem Wasserhahn, Überraschungsbilder, Papiermechaniken … und all die kleinen Berufsgeheimnisse rund ums Schneiden und Kleben, die anderen vielleicht nervtötende Umwege ersparen können, kamen da auf den Tisch. Aber Verrat? Nie und nimmer.
Wie die Welt auf die Welt kam
Tatsächlich klingt in einigen Geschichten an, dass die Welt irgendwann auch wieder vergehen könnte. Manchmal hat der Schöpfer die Welt nach vollbrachtem Werk verlassen, sie seinen Geschöpfen übergeben. Was ihnen, was uns ja einige Verantwortung auferlegt. Wer heutzutage den Eindruck gewinnt, dass die Menscheit im Begriff ist, sich abzuschaffen, kann da schon ins Grübeln geraten. Eines haben alle diese Geschichten gemeinsam: Sie führen uns die Kostbarkeit der Welt vor Augen, für deren Erhalt sich einzutreten lohnt. Vielleicht trägt auch unser kleines Stück dazu bei – wir würden uns freuen.